Weshalb lehnt die SVP-Prominenz
das Referendum zur Personenfreizügigkeit ab?
Von schönen Äpfeln und faulen Zwetschgen!
In diesen Tagen finden sich in verschiedenen
Zeitungen ganzseitige SVP-Inserate. Darin wird ein Sarg abgebildet
mit der Aufschrift: “Demokratie“. Vor dem Sarg stecken
drei Spaten in der Erde, welche ebenfalls mit Namen versehen
sind: Je ein Spaten für “SP, CVP, FDP“!
Christoph Blocher der Scheinpatriot!
Der politischen Realität entsprechend müsste
beim obig dargestellten Bild ein vierter Spaten zu sehen sein mit
dem Schriftzug: “SVP“!
Ch. Blocher kennt ja den politischen Betrieb in Bern aus eigener
Erfahrung. Er weiss, dass man es dort mit der Redlichkeit oft nicht
so genau nimmt! Ch. Blocher hat Recht, wenn er behauptet, dass
der Bundesrat bei der Abstimmung der Bilateralen I im Jahre 2000
versprochen hat, dass das Schweizer Volk später wiederum darüber
befinden könnte, wenn neue Staaten zur EU stossen sollten
(und ebenfalls in den Genuss des freien Personenverkehrs mit der
Schweiz kommen). Jetzt hat das Parlament in Bern (nach langem Hin
und Her zwischen National- und Ständerat) ein “Päckli“ geschürt,
welches zugleich zwei Beschlüsse enthält (Weiterführung
der Personenfreizügigkeit mit der EU und Ausdehnung des freien
Personenverkehrs auf Rumänien und Bulgarien). Somit kann nicht
einzeln das Referendum gegen den einen oder den andern Beschluss
ergriffen werden. Dies war ein taktischer Schachzug von Sozialdemokraten,
Grünen sowie CVP und deren Hilfstruppen EVP und Grünliberalen!
Die Berner Politiker dieser Parteien sind wahrlich die Totengräber
unserer direkten Demokratie, da diese in erster Linie mit ihrem
Abstimmungsverhalten (fürs Päckli) die SVP und deren “Referendumsabsichten“ zu
Fall bringen wollten (was auch gelang!).
Mit diesem Falschspielertrick wird aber primär die demokratische
Politkultur in unserem Land mit Füssen getreten. Der Souverän
(das Volk) sollte doch bei jeder Abstimmung frei entscheiden können,
ob hier Ja und dort Nein oder - wie auch immer!
Auch die SVP irrt nun gewaltig
Mit einem Stimmenverhältnis von 2:1 lehnte die
SVP-DV am 5. Juli in Brig eine Unterstützung des Referendums
ab. Es ist Ch. Blocher zu “verdanken“, dass der SVP-Kurs
in dieser wichtigen Frage um 180 Grad geändert wurde - wobei
der “SVP-Übervater“ – entgegen seiner früheren Äusserungen – plötzlich
dazu aufforderte, das Referendum nun nicht zu ergreifen und auch
nicht zu unterstützen! Immerhin gibt es noch einige konsequente
SVPler (die Minderheit) und auch SVP-Kantonalparteien, wie Luzern
und Tessin, welche das Referendum unterstützen. Aber die Mehrheit
der SVP, insbesondere ihre Politprominenz, wie Toni Brunner, Peter
Spuhler, Ulrich Giezendanner, Hans Fehr (letzterer gar Geschäftsführer
der AUNS!) und viele weitere, sind umgefallen! Weshalb Ch. Blocher
diesen Verrat begangen hat, ist bei genauer Analyse (schon genug
von der SVP-Oppositionsrolle?, beabsichtigter Wiedereinzug eines
SVP-Vertreters in den Bundesrat?, wegen SVP-Abspaltung?, wegen
Niederlage bei der Einbürgerungsinitiative?, Verknüpfung
von Ch. Blocher mit den Mächtigen der Wirtschaft?, usw.) erklärbar,
aber inakzeptabel für eine sich “national-konservativ“ gebende
Partei! Das politische Programm der SVP wurde damit verraten!
Was sagt die SVP dazu?
In ihren Inseraten schreibt die SVP verlogen: “Verzichtet
auf ein Scheinreferendum, weil die Regierungsparteien SP, CVP und
FDP eine unverfälschte Stimmabgabe verunmöglicht haben“.
Auf dieses Argument gibt es eine 100prozentige Antwort:
Wenn Sie auf dem Obstmarkt ein Kilogramm schöne Äpfel kaufen
möchten und dazu noch ein Kilogramm Zwetschgen… der
Händler Ihnen aber angefaulte Zwetschen einpacken will! Was
sagen Sie dann? Erklärt der Händler hierauf, dass Sie
auch die angefaulten Zwetschgen nehmen müssten, dann verzichten
Sie prinzipiell auf den Einkauf bei diesem Händler!
Es gibt kein Scheinreferendum
Es gibt nur eine faule Vorlage von Bundesrat und Parlamentsmehrheit.
Wenn das Volk hierzu (beim Päckli) bei der Abstimmung (nach
zustandegekommenem Referendum) Nein sagt, so fällt die Weiterführung
der Personenfreizügigkeit und die Ausdehnung des freien Personenverkehrs
auf Rumänien und Bulgarien richtiggehend ins “Wasser“.
Dann wird der Bundesrat neue, separate Vorlagen bringen müssen.
Und - die Schweiz hat übrigens gegenüber der EU sehr
gute Karten! Was Ch. Blocher jetzt mit seinem “Abseits-Stehen“ tut,
bedeutet massive Hilfe für die Befürworter des freien
Personenverkehrs. Sind denn SVP-Anhänger “Vasallen“ von
Ch. Blocher oder frei denkende Bürger?
Markus Borner, Basel
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