Arena-Sendung zur AHV
Der Schreibende nahm am 14. März als Vertreter
der SD an dieser Sendung teil. Das Diskussionsthema war die in
der Woche vom 17. März im Nationalrat zu behandelnde 11. AHV-Revision.
Wenn Sie diesen Artikel lesen, wird der Nationalrat in dieser Sache
schon weit “vorgespurt“ haben. In der Arena–Sendung
knallten die Meinungen – die nicht unterschiedlicher sein
können – hart aufeinander. So wird es auch in den beiden
Räten in Bern sein. Wird es letztlich gar noch ein Referendum
zur Vorlage geben?
Die 11. (erneute) AHV-Revision sieht u.a. vor, dass
das AHV-Eintrittsalter der Frauen generell auf 65 – wie bei
den Männern – angehoben wird (mit jährlichen Einsparungen
von über 400 Millionen Franken). Der Bundesrat schlägt
zudem vor, dass eine/e Jede/r, der dies wünscht, mit 62 Lebensjahren
die Arbeit aufgeben – und AHV beziehen kann (mit einer halben
Rente gar schon ab dem 60. Lebensjahr möglich). Für tiefe
Einkommen soll hierbei eine Ueberbrückungsrente als Abfederung
ausgerichtet werden. Diese Abfederung/Besserstellung der Kleinverdiener
ist aber hart umstritten.
Die SVP ist unsozial
Dies zeigten die Diskussionsbeiträge der SVP-Vertreter,
an deren Spitze der neue Präsident Toni Brunner stand. Diese
SVP-Männer redeten ständig vom “Sichern der AHV-Renten“ (dies
war die Losung der SVP für die Oeffentlichkeit!) um so als “seriöse“ Partei
dazustehen! Dass gewisse Arbeitnehmer im Beruf derart stark gefordert
werden (Bauarbeiter, Waldarbeiter, u.a.m.) und deswegen gar nicht
bis zum 65. Alterjahr arbeiten können, wollte die SVP-Delegation
nicht anerkennen. Auch SVP-Wähler mit kleinem Einkommen müssen
sich dies merken! Die “Tür“ zur raschen IV-Rente
ist heutzutage ebenso mehr oder oder weniger zu (was richtig ist!);
dies wurde von mehreren Votanten festgestellt. Realität ist
heute auch, dass sich meist nur Gutverdienende (mit entsprechender
2. Säule) eine vorzeitige Pensionierung leisten können.
Der eine SVP-Vertreter (Baumeister!) sprach sich für individuelle
Pensionskassenlösungen im jeweiligen Berufsverband aus. Der
Baumeisterverband, der vor nicht langer Zeit den Gesamtarbeitsvertrag
(GAV) aufgekündigt hat, lässt da grüssen und wenig
Hoffnung aufkommen!
Die meisten Nationalräte sind finanziell gutgestellt
Nationalrätin Marianne Kleiner, FDP/AR, erklärte,
dass die Frauen ja sehr gerne erst mit 65 AHV-Rente beziehen würden
(die linken Frauen husteten böse!), denn mit dem eingesparten
Geld im AHV-Fond liessen sich die Renten der kommenden Generationen
sichern!
Nationalrat Reto Wehrli, CVP/SZ, wies darauf hin, dass man sich
im AHV-Bereich keine allzugrosszügigen Lösungen leisten
könnte. Da hat er ja zum Teil noch Recht. Wenn er aber meint,
dass zur Deckung des individuellen Bedarfs der Rentner ja noch
die Ergängungsleistung (EL) vorhanden sei, ist dies kein zukunftsgerichteter
Vorschlag. Dass dieser CVP-Mann persönlich nicht für
eine starke AHV eintritt, ist ja klar, denn er ist beruflich leitendes
Mitglied einer Pensionskasse!
Nationalrat Toni Brunner, SVP/SG, “verteidigte“ den
Status Quo, d.h bitte ja keine zusätzlichen Kosten! Auf privater
Ebene soll sich ein Jeder ergänzend besser versichern können.
Der Staat soll nur Minimallösungen anbieten!
Nationalrat Christian Levrat, SP/FR, vertrat, wie kann es anders
sein, eine kostspieligere AHV-Lösung. Er propagierte hierbei
die Vorschläge der Initiative des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes
mit dem Titel - “AHV ab 62!“. Diese sieht eine mögliche
Pensionierung mit 62 vor und dies mit keinen Rentenkürzungen
bei Einkommen unter 120000 Franken pro Jahr (die SP will sich vermutlich
damit auch beim Mittelstand Freunde machen – oder anders
gesagt: Viele SP-Genossen gehören in diese Einkommensschichten!).
Eines ist sicher: Die Mehrheit der Mitglieder des
Nationalrates wird aus all diesen Vorschlägen vermutlich einer
moderaten Lösung den Vorzug geben. Extreme Lösungen,
eine Null-Lösung, wie von der SVP propagiert oder auch das
kostspielige Modell der Ratslinken, werden hierbei keinerlei Chancen
haben.
Einmal das Wort ergreifen
Als Teilnehmer dieser Arena-Sendung versuchte ich
mehrmals zu häufig vorkommenden (Falsch)-Aussagen einiger
Teilnehmer meine Meinung kund zu tun. Doch Drankommen muss man
erst! Der Moderator, Urs Leuthard, bestimmt hier immerzu, wer sprechen
kann und darf!
Der Chef des Bundesamtes für Sozialversicherungen, Ives Rossier,
erklärte z.B. wörtlich, dass es ein “Segen Gottes“ sei,
dass wir dank der Personenfreizügigkeit eine derart hohe Zuwanderung
von Arbeitskräften hätten, mehr als erwartet! Dies komme
dem AHV-Fond zugute. Die freisinnige Marianne Kleiner gab noch
eins drauf und meinte sinngemäss: “Wir brauchen in Zukunft
noch mehr Arbeitskräfte aus dem Ausland!“. Niemand sagte
etwas gegen die Nachteile einer übermässigen Zuwanderung – nicht
einmal die Grünen!
Der Schreibende durfte dann verbal doch noch einen Nagel einschlagen: “Weshalb
muss denn bei der AHV so gespart werden – dies zu Lasten
vieler Arbeitnehmer und Selbständigen – wenn gleichzeitig
Hunderte von Millionen Schweizer Franken in die EU-Oststaaten (Unruhe
im Studio) abfliessen?“.
Markus Borner
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